DIE QUALITÄT DER BETREUUNGSANGEBOTE in der Tagespflege sind wesentlich für das Wohlempfinden und die Zufriedenheit der Gäste und damit auch für die Qualität der Einrichtung. Inspiriert durch die Eden Alternative®, versucht die Tagespflege „TagWerk” Betreuung einmal anders zu denken. Ein Bericht aus der Praxis (von Eva Hartmann).

Die klassischen Angebote wie Singen, Erinnerungsarbeit, Gedächtnistraining, kreatives Gestalten, Kochen und Backen, Bewegungsrunden etc. sind wichtiger Bestandteil eines Betreuungsangebotes. Doch haben Menschen, die allein zu Hause leben und sich nach Gemeinschaft sehnen, immer Lust zu diesen Dingen? Viele erinnern die Angebote an ein Pflegeheim. Deshalb habe ich meine Mitarbeitenden aufgefordert, eine Liste zu erstellen, welche Angebote sie gerne mal machen würden, so unrealistisch sie auch sein mögen. Die Liste war schnell erstellt. Angebote wie Schwimmbad, IKEA, Waldspaziergang, Bauernhöfe erkunden, ins Kino gehen standen auf dem Programm. Zusätzlich haben sich die Mitarbeitenden, die Lust dazu haben, sich direkt mit eingetragen. Denn nur, wenn ich selbst Freude an der Aktivität habe, kann ich diese auch weitergeben. Ein Ausflug bietet nicht nur den Gästen einen Ausgleich zum Alltag, sondern kann auch für Mitarbeitende eine willkommene Abwechslung sein.

Ab ins kühle Nass…
Der erste Schwimmbadbesuch war schon eine kleine Herausforderung. Mit Schwimmnudeln bewaffnet ging es mit zwei Gästen (1:1 Betreuung) los. Ganz selbstverständlich stiegen sie über die Treppe ins Wasser, wollten losschwimmen und gingen unter. Schnell wieder hingestellt war klar: Es geht nicht mehr. „Über acht Jahre war ich nicht mehr im Schwimmbad, ich dachte, ich könnte es noch“, lautete ein Kommentar. Also ging es erst einmal ins Nichtschwimmerbecken und wir fingen an, mit der Schwimmnudel langsam zu üben. Nach und nach bekamen die Gäste wieder das Gefühl für das Wasser und die Bewegung, und schon nach wenigen Schwimmbadbesuchen hatten es die Gäste wieder erlernt. Und auch andere Gäste fanden den Mut mitzukommen. Da es einige Gäste noch können und andere wieder erlernt haben, ist eine 1:1 Betreuung mittlerweile nicht mehr notwendig. Zudem gibt es in dem Schwimmbad ein Dampfbad und ein Whirlpool, sodass auch nicht schwimmfreudige Gäste gerne zum Wellness mitkommen. In den Sommermonaten gehen wir ins Freibad. Dort gibt es eine Wasserrutsche. Ich sagte aus Spaß zu einem 90-jährigen Gast, ob wir mal die Rutsche runter möchten, worauf er mit Ja antwortete. Gar nicht damit gerechnet und mit etwas unsicherem Gefühl, ob ich es wirklich machen soll, bin ich mit ihm hoch auf die Rutsche und zusammen mit ihm gerutscht. Im Wasser angekommen, verweilte er länger als ich unter Wasser, kam dann freudestrahlend hoch und sagte: „Das schönste am Rutschen waren die vielen Blubberblasen unter Wasser um mich herum, ich möchte noch mal.“ Alle anderen Badegäste hatten sich am Beckenrand getummelt und geklatscht. Wir rutschten danach noch zweimal. Der Gast war so glücklich und stolz: „Dass ich mit 90 Jahren zum ersten Mal eine Wasserrutsche runterrutsche, das glauben mir meine Kinder und Enkelkinder nie.“ Zurück in der Tagespflege bat er uns, ihm WhatsApp einzurichten, damit er die Fotos an seine Familie senden kann. Wir zeigten es ihm. Seitdem benutzt er WhatsApp.

Ab auf die Schaukel…
Wenn das Wetter mitspielt, kann gut ein Spaziergang unternommen werden. Dabei ist es sinnvoll, sich nicht in der gewohnten Umgebung aufzuhalten, sondern neue Routen auszuprobieren. Interessanter wird es, wenn die Gäste erst einmal mit dem Auto zum Startpunkt des Spaziergangs transportiert werden müssen. So fühlt sich das Ereignis mehr nach einem Ausflug als nach einem alltäglichen Spaziergang an. Die frische Luft hat positive Effekte auf die Gäste. Sie werden aufgeweckter, fitter und können abends womöglich auch besser schlafen. Wir fuhren mit unseren Bussen zu einem schönen Waldweg, wo wir mit unseren Gästen einen Spaziergang machten. Wir kamen an einem Spielplatz vorbei. Schnell berichteten die Gäste, wie schön es war, als Kind zu schaukeln, andere berichteten, dass sie noch nie geschaukelt seien. Also boten wir an, auf dem Spielplatz mit ihnen zu schaukeln. „Mit 95 Jahren das erste Mal auf einer Schaukel, wie schön.“

Ab ins Kino…
Kinonachmittage mit Beamer und Leinwand in der Tagespflege mit frischem Popcorn sind schön, aber nicht dasselbe wie im echten Kino. Also nahmen wir Kontakt mit einem ortsnahen Kino auf und fragten an, ob vielleicht an einem Vormittag ein Kinobesuch für unsere Gäste möglich sei. Die Kinobesitzer waren sehr kooperativ und organisierten einen Kinovormittag mit Popcorn, Cola aus dem Automaten etc. Es war eine gelungene Veranstaltung. Viele Kinos bieten auch unter der Woche spezielle Vorstellungen für ältere Menschen an. Insgesamt kann dies eine großartige Möglichkeit sein, andere gleichgesinnte ältere Menschen zu treffen, und der Kinobesuch kann im Handumdrehen Teil des normalen Tagesablaufs werden.

Ab ins Möbelhaus…
In der Tagespflege haben wir einige Produkte von IKEA. Als wieder einige Sachen dort besorgt werden sollten, äußerten Gäste, dass sie von diesem Möbelhaus nur gehört haben, aber noch nie dort waren. Also beschlossen wir, zusammen mit den Gästen zu IKEA zu fahren. Sie waren überwältigt, welche Produkte es dort gibt und wie es aufgebaut ist. Letzten Endes mussten wir einen Möbeltransport buchen, der die eingekauften Sachen in die Heimatorte brachte. Die Gäste haben ihr Zuhause modernisiert und sind sehr stolz darauf.

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Quelle: Vincentz Network GmbH & Co. KG    www.tp-tagespflege.net